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100 Tage FUJI GFX100SII - erstes Fazit

  • Autorenbild: Holger Graeber
    Holger Graeber
  • vor 18 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit


Nach intensiver Nutzung – insbesondere während meiner 10-tägigen Fotoreise in Lappland – möchte ich ein persönliches Fazit zum GFX-System ziehen. Dabei geht es weniger um technische Datenblätter, sondern vielmehr um den Praxiseindruck unter realen Bedingungen.


Haptik & Bedienung

Das Gehäuse überzeugt durch eine sehr angenehme Haptik. Der ausgeprägte Handgriff sorgt dafür, dass die Kamera auch über längere Zeit hinweg sicher und komfortabel in der Hand liegt. Selbst mit angesetztem Objektiv bleibt der Schwerpunkt ausgewogen – ein wichtiger Punkt für längere Shootings.

Besonders positiv fallen die drei Displays auf:

  • Das Hauptdisplay ist flexibel in mehrere Achsen schwenkbar und erleichtert so kreative Perspektiven.

  • Das Schulterdisplay liefert die wichtigsten Informationen auf einen Blick und bietet gleich drei verschiedene Darstellungsmodi – extrem praktisch im Alltag.

  • EVF und Display überzeugen mit hoher Helligkeit, Auflösung und sehr guter Ablesbarkeit, auch unter schwierigen Bedingungen.

Allerdings gibt es auch Kritikpunkte:Mir fehlen zusätzliche frei belegbare Funktionstasten, und der Fokusstick ist für meinen Geschmack etwas zu klein geraten. Ich bevorzuge hier klar die klassische Lösung mit vier Cursortasten und Mitteltaste.

Ein echter Schwachpunkt ist für mich die Position der Q-Taste. Sie liegt genau im Daumenbereich und wird dadurch häufig unbeabsichtigt ausgelöst – das kann im entscheidenden Moment ziemlich nervig sein.




Einsatz unter extremen Bedingungen

Lappland hat gezeigt, was das System wirklich kann. Temperaturen bis zu -27 °C, dichter Schneefall und anspruchsvolle Bedingungen konnten der Kamera und den Objektiven nichts anhaben.

  • Keine Einschränkungen bei Funktionen

  • Akkus und Displays arbeiteten zuverlässig

  • Die Weather Resistance (WR) hielt, was sie verspricht

Das schafft Vertrauen – besonders für alle, die gerne in rauen Umgebungen fotografieren.


Objektive & Brennweiten

Meine ursprüngliche Kombination bestand aus:

  • 20–35 mm

  • 35–70 mm

  • 100–200 mm

Hier zeigt sich ein systembedingter Nachteil: Die geringe Brennweitenspanne pro Objektiv (meist maximal Faktor 2) schränkt die Flexibilität ein. Häufiges Objektivwechseln wird fast unvermeidlich – ein Workflow, der eher an Festbrennweiten erinnert.

Gerade im Bereich Wildlife-Fotografie wird es kritisch: Die verfügbaren langen Brennweiten sind begrenzt, wodurch viele Motive schlicht außer Reichweite bleiben.

Ein weiterer Punkt:Das 35–70 mm Objektiv besitzt keinen Blendenring. Die Steuerung erfolgt stattdessen über ein Einstellrad an der Kamera. Das funktioniert grundsätzlich, widerspricht aber dem gewohnten Fuji-Workflow. Besonders störend wird es, wenn man zwischen Objektiven mit und ohne Blendenring wechselt – der gesamte Bedienfluss verändert sich.

In Lappland habe ich zudem gemerkt, dass mir oft etwas mehr Reichweite fehlt. Deshalb habe ich mein Setup inzwischen um das 45–100 mm Objektiv erweitert.


Bildqualität – das Herzstück

Kommen wir zum wichtigsten Punkt: die Bildqualität.

Und hier liefert das GFX-System auf einem beeindruckenden Niveau ab.

  • Der Detailgrad ist enorm

  • Die Schärfe wirkt nahezu greifbar

  • Die Freistellung bei offener Blende eröffnet völlig neue kreative Möglichkeiten

Gerade in der Wald- und Baumfotografie ergeben sich dadurch spannende neue Bildlooks, die ich so vorher nicht umsetzen konnte.

Hinzu kommt die 14-Bit-Farbtiefe, die enorme Reserven in der Nachbearbeitung bietet. Dynamikumfang und Farbverläufe spielen in einer Liga für sich.


Persönliches Fazit

Die 10 Tage in Lappland waren intensiv – fotografisch wie technisch. Ich bin mittlerweile an dem Punkt angekommen, an dem ich das GFX-System intuitiv und nahezu blind bedienen kann. Und genau das ist entscheidend, um sich voll auf das Motiv konzentrieren zu können.

Trotz einiger Schwächen im Detail überwiegt für mich ganz klar das Positive.Ich habe das Gefühl, hier nicht nur eine Kamera, sondern ein System gefunden zu haben, das mich langfristig begleiten wird.


Ich glaube, das ist der Beginn einer langen Freundschaft.


YouTube video zum Thema: https://youtu.be/5l1UZPiP3y0


 
 
 

1 Kommentar


Marc Wayne Schechtel
vor 16 Stunden

Dein ehrliches Fazit nach 100 Tagen mit der GFX100S II ist super hilfreich, besonders die Praxiserfahrungen unter den extremen Bedingungen in Lappland. Es ist spannend zu lesen, dass die Bildqualität und die Reserven der 14-Bit-Dateien die haptischen Kritikpunkte für dich so klar überwiegen. Ein kleiner Tipp gegen das versehentliche Auslösen der Q-Taste: Du kannst die Taste im Menü komplett deaktivieren oder auf eine „Hold-to-activate“-Funktion umstellen, falls dich das im Workflow weiterhin zu sehr ausbremst.

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